Raketenentwicklungen

Raketen mit der Bezeichnung „Aggregat“ (Quelle: Wikipedia)

Aggregat 1 (A1)

Aggregat 1 war die Bezeichnung einer von Wernher von Braun im Jahr 1933 entwickelten Versuchsrakete mit einer Länge von 1,40 Meter, einem Durchmesser von 0,3 Metern und einem Startgewicht von 150 Kilogramm. Der Startschub des mit Alkohol und flüssigem Sauerstoff (LOX - von englisch Liquid Oxygen) betriebenen Triebwerks betrug 2,94 kN (300 kp). Der Treibstoff wurde durch komprimiertes Stickstoffgas gefördert.
Die Stabilisierung im Flug sollte entgegen den Anregungen Walter Dornbergers nicht durch Drall erfolgen, sondern durch einen Stabilisierungskreisel in der Spitze, da sich die flüssigen Treibstoffe im Tank einer rotierenden Rakete ungünstig verhalten würden.
Die A1 explodierte bei einem Startversuch in Kummersdorf. Es wurde kein weiterer Startversuch unternommen, da sich herausstellte, dass die A1 durch die ungünstige Lage des Stabilisierungskreisels kopflastig war und nicht stabil fliegen würde. Stattdessen wurde die Nachfolgerakete Aggregat 2 entwickelt, deren Drehkopf sich in der Mitte der Rakete befand.

 

Aggregat 2 (A2)

Das Aggregat 2 war eine von Wernher von Braun entwickelte Versuchsrakete mit einer Länge von 1,61 m bei einem Startgewicht von 107 kg. Der Antrieb mit durch Druckgas geförderten Alkohol und Flüssigsauerstoff (LOX) entwickelte einen Startschub von 3,14 kN (320 kp).
Im Unterschied zum erfolglosen Vorgängermodell Aggregat 1 war bei dieser Rakete der Stabilisierungskreisel in der Mitte der Rakete zwischen Alkohol- und Sauerstofftank angeordnet, was ihr einen stabilen Flug ermöglichte.
Vom Aggregat 2 wurden zwei Exemplare gebaut, die den Namen Max und Moritz erhielten. Sie wurden am 19. Dezember 1934 und am 20. Dezember 1934 von Borkum aus gestartet und erreichten Flughöhen von 2,3 und 3,5 Kilometern. Brennschluss der Raketen war in 1,7 und 1,8 Kilometern Höhe. Brennschluss bezeichnet in der Raketentechnik den Zeitpunkt des Abstellens der Triebwerke einer Rakete. Dabei ist nicht notwendigerweise der gesamte Treibstoff der Stufe verbraucht worden, vielmehr wurde der Punkt in der Aufstiegsbahn der Rakete erreicht, an dem das Abschalten der Triebwerke vorgesehen ist. Bei Feststoffraketen sind die Triebwerke jedoch nicht abstellbar. Sie brennen so lange, bis der Treibstoff verbraucht ist, jedoch nimmt in den letzten Sekunden(-Bruchteilen) der Schub ab. Sie haben daher keinen exakten Brennschluss, sondern brennen aus.

Aggregat 3 (A3)

Das Aggregat 3 war eine deutsche Versuchsrakete, mit deren Hilfe wichtige Komponenten für das geplante Aggregat 4 erprobt werden sollten.
Sie war 6,74 Meter lang, hatte einen Durchmesser von 0,68 Metern und besaß ein Startgewicht von 900 Kilogramm.
Ihr Triebwerk, das mit durch Druckgas gefördertem Alkohol und flüssigem Sauerstoff betrieben wurde, entwickelte einen Schub von 15 kN.
Mit der A3 fanden am 4. Dezember 1937, am 6. Dezember 1937, am 8. Dezember 1937 und am 11. Dezember 1937 Startversuche auf der Greifswalder Oie statt, die alle fehlschlugen, da die verwendete Form keinen stabilen Flug zuließ.
Da man für die Entwicklung der A4-Rakete noch ein Modell zur Erprobung diverser Komponenten benötigte, wurde mit der Aggregat 5 eine weitere Versuchsrakete mit dem gleichen Triebwerk entwickelt.

 

Aggregat 4 (A4)

Aggregat 4 war die Typenbezeichnung der weltweit ersten voll funktionsfähigen, ferngesteuerten Großrakete, die in Deutschland entwickelt und produziert wurde und im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam. Bekannt wurde diese Boden-Boden-Rakete unter dem ihr von Joseph Goebbels im Oktober 1944 gegebenen Propagandanamen Vergeltungswaffe 2, kurz „V2“. Die Starteinheiten von Wehrmacht und SS nannten sie schlicht „Das Gerät". Die Aggregat 4 wurde als ballistische Artillerie-Rakete großer Reichweite konzipiert und 1944/45 in großer Zahl produziert und eingesetzt. Sie war außerdem das erste von Menschen konstruierte Objekt, das die Grenze zum Weltraum (nach Definition der FAI mehr als 100 km Höhe) durchstieß. Die Rakete war 14 Meter hoch und hatte eine Masse von 13,5 Tonnen. Der Rumpf bestand aus Spanten und Stringern, die mit dünnem Stahlblech beplankt waren. Die etwa 738 kg Sprengstoff einer Amatol-Mischung waren in der Raketenspitze untergebracht. Da sich diese während des Flugs durch die Reibung aufheizte, konnten nur Sprengstoffmischungen verwendet werden, deren Zündtemperatur über 200 °C lag.

Der schematische Aufbau der Baugruppen

  1. 01 - Gefechtskopf
  2. 02 - Kreiselsteuerung
  3. 03 - Steuerung, Funkkontrolle und Bordbatterien
  4. 04 - Treibstoff-Tank (Alkohol)
  5. 05 - Raketenkörper
  6. 06 - Sauerstoff-Tank
  7. 07 - Wasserstoffperoxid-Tank
  8. 08 - Kühlmittel-Tank (Stickstoff)
  9. 09 - Wasserstoffperoxid-Motor
  10. 10 - Turbopumpe
  11. 11 - Alkohol/Sauerstoff-Brenner
  12. 12 - Triebwerkskörper
  13. 13 - Hauptbrennkammer
  14. 14 - Stabilisierungflosse
  15. 15 - Alkohol-Einspritzung
  16. 16 - Gasruder
  17. 17 - Luftruder